Wer ein Frettchen in seiner Wohnung hält, übernimmt die Verantwortung für ein außergewöhnliches Lebewesen, dessen Ernährungsbedürfnisse sich fundamental von denen anderer Haustiere unterscheiden. Diese verspielten Marder sind obligate Carnivoren – eine biologische Tatsache, die nicht verhandelbar ist und die Basis jeder Fütterungsentscheidung bilden sollte. Ihr gesamter Verdauungstrakt, vom kurzen Darm bis zur spezifischen Enzymausstattung, ist auf die Verwertung tierischer Proteine und Fette ausgelegt. Pflanzliche Bestandteile können sie kaum verwerten, was bedeutet, dass gut gemeinte, aber falsche Fütterung in der Wohnungshaltung langfristig zu schweren Gesundheitsschäden führt.
Der Proteinhunger: Warum Frettchen anders ticken
Der Stoffwechsel von Frettchen läuft auf Hochtouren. Der Proteinbedarf variiert je nach Lebensphase erheblich: Während erwachsene Tiere in der Erhaltungsphase mindestens 30 Prozent Rohprotein benötigen, steigen die Anforderungen während Trächtigkeit, Laktation und Wachstum auf 35 bis 40 Prozent. Ähnlich verhält es sich mit dem Fettgehalt: Erwachsene Frettchen brauchen mindestens 18 Prozent, während der Trächtigkeit und Laktation 18 bis 20 Prozent und im Wachstum sogar 25 bis 30 Prozent.
Ihr Verdauungstrakt ist kurz gebaut und die Darmpassage verläuft rasch. Diese schnelle Verdauung bedeutet, dass Frettchen hochwertige, leicht verwertbare Nährstoffe benötigen, die sofort Energie liefern. In der Wohnungshaltung zeigt sich die Herausforderung besonders deutlich: Während freilebende Frettchen instinktiv ganze Beutetiere verzehren würden – Fleisch, Knochen, Innereien, Fell –, sind Wohnungsfrettchen vollständig auf die Kompetenz ihrer Halter angewiesen.
Das Problem mit handelsüblichem Futter
Die Regale im Zoofachhandel wirken vertrauenerweckend, doch die Realität ernüchtert: Viele kommerzielle Frettchenfutter erfüllen die nutritiven Anforderungen nicht. Häufig enthalten sie pflanzliche Füllstoffe wie Mais, Reis oder Sojaprodukte, die für Frettchen bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls schädlich sind. Der Grund liegt in der Verwertbarkeit: Frettchen fehlen die Enzyme, um Zellulose aufzuspalten, wodurch Getreide unverdaut durch den Darm wandert und dabei wichtige Nährstoffe mit sich reißt.
Besonders kritisch wird es bei Futtermitteln, die ursprünglich für Katzen entwickelt wurden. Obwohl Katzen ebenfalls Carnivoren sind, unterscheiden sich ihre Bedürfnisse erheblich. Katzenfutter enthält oft zu wenig Protein und zu viele Kohlenhydrate für Frettchen. Zudem fehlt häufig Taurin in ausreichender Menge – eine essenzielle Aminosäure, die für Herzfunktion und Sehkraft unverzichtbar ist und die Frettchen nicht selbst synthetisieren können.
Worauf beim Fertigfutter zu achten ist
Falls Fertigfutter zum Einsatz kommt, sollten folgende Kriterien erfüllt sein:
- Proteingehalt: Mindestens 30 Prozent für erwachsene Tiere, 35 bis 40 Prozent für wachsende, trächtige oder laktierende Frettchen, idealerweise aus Geflügel, Fisch oder anderem Fleisch als erste Zutat
- Fettgehalt: Mindestens 18 Prozent für erwachsene Tiere, bis zu 30 Prozent im Wachstum, vorzugsweise aus tierischen Quellen
- Kohlenhydrate: So gering wie möglich, keinerlei Zucker oder Karamell
- Keine pflanzlichen Proteinquellen: Sojaprotein oder Erbsenprotein als Hauptquelle disqualifizieren ein Futter
- Taurin-Zusatz: Sollte explizit deklariert sein
BARF für Frettchen: Die artgerechteste Lösung
Die Biologisch Artgerechte Roh-Fütterung, kurz BARF, orientiert sich am natürlichen Beuteschema und gilt unter Experten als Goldstandard für Frettchen in Wohnungshaltung. Dabei erhalten die Tiere rohes Fleisch verschiedener Sorten, Innereien, fleischige Knochen und gelegentlich ganze Beutetiere wie Eintagsküken oder Mäuse.
Der Vorteil dieser Fütterungsmethode liegt in der vollständigen Kontrolle über Qualität und Zusammensetzung. Frisches Muskelfleisch von Geflügel, Kaninchen oder Rind bildet die Basis. Ergänzt wird dies durch Herz, Leber und Nieren, die essenzielle Vitamine und Mineralien liefern. Rohe, fleischige Knochen von Hühnerhälsen oder Wachteln versorgen das Frettchen mit Kalzium und beschäftigen gleichzeitig die Zähne.

Praktische Umsetzung der BARF-Fütterung
Eine ausgewogene BARF-Ration sollte die Zusammensetzung ganzer Beutetiere nachbilden und daher Muskelfleisch, rohe fleischige Knochen sowie Innereien enthalten. Die genauen Verhältnisse lassen sich individuell anpassen, solange alle Komponenten regelmäßig gefüttert werden. Die tägliche Futtermenge orientiert sich an Gewicht, Alter und Aktivitätslevel des Tieres. Bewährt haben sich bei Trockenfutter 25 bis 50 Gramm täglich, bei Feuchtfutter etwa 100 bis 200 Gramm, je nach Körpermasse, Geschlecht und Energiedichte des Futters. Die Portionen sollten auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt werden.
Nahrungsergänzung: Wann sie notwendig wird
Selbst bei sorgfältiger Fütterung können in der Wohnungshaltung Lücken entstehen. Vitamin D ist ein klassisches Beispiel: In der Natur würden Frettchen durch den Verzehr ganzer Beutetiere und durch Sonnenlicht ausreichend versorgt. In der Wohnung fehlt beides oft. Ein Mangel führt zu Knochenerweichung und Immunschwäche.
Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl unterstützen das glänzende Fell und die Hautgesundheit. Ein Teelöffel hochwertiges Lachsöl pro Woche kann Wunder wirken. Vorsicht jedoch bei Überdosierung: Fettlösliche Vitamine wie A und D können sich bei zu großzügiger Gabe anreichern und toxisch werden.
Typische Ernährungsfehler in der Wohnungshaltung
Die größte Gefahr lauert in gut gemeinten, aber uninformierten Entscheidungen. Obst und Gemüse als gesunde Ergänzung zu füttern, schadet mehr als es nützt. Der hohe Zuckergehalt in Äpfeln oder Bananen belastet die Bauchspeicheldrüse. Kohlenhydrate stimulieren die Insulinproduktion und können zu Insulinomen führen – Bauchspeicheldrüsentumoren, die bei Frettchen erschreckend häufig auftreten.
Leckerlis aus dem Handel entpuppen sich oft als Zuckerbomben. Rosinen, Joghurtdrops oder getreidehaltige Knabberstangen haben in der Frettchenernährung nichts verloren. Zucker und Rohfasern sind für diese Tiere problematisch. Stattdessen eignen sich kleine Stücke rohes Fleisch, getrocknete Hühnerherzen oder spezielle fleischbasierte Frettchen-Leckerlis ohne Zusatzstoffe.
Wasserversorgung: Unterschätzter Faktor
Frettchen haben einen besonderen Wasserbedarf, der sich aus ihrer Physiologie ergibt. Ihre Dünndarm-Mikrovilli sind stark reduziert und resorbieren nur etwa 10 Prozent des Wassers – im Vergleich zu Katzen, die 60 bis 70 Prozent schaffen. Deshalb müssen Frettchen deutlich häufiger und mehr trinken als andere Fleischfresser. In der Wohnungshaltung muss frisches Wasser permanent verfügbar sein. Nippeltränken sind hygienischer als Näpfe, die schnell verschmutzen. Das Wasser sollte täglich gewechselt werden, da Frettchen empfindlich auf Verunreinigungen reagieren.
Gesundheitsmonitoring durch Ernährung
Das Fell eines Frettchens verrät viel über seinen Ernährungszustand. Glänzendes, dichtes Fell signalisiert optimale Versorgung. Stumpfes, schuppiges Haar deutet auf Nährstoffmängel hin. Der Kot sollte fest und wohlgeformt sein – Durchfall oder extrem harter Kot weisen auf Fütterungsprobleme hin. Regelmäßige Gewichtskontrollen gehören zur Routine. Plötzlicher Gewichtsverlust trotz normaler Futteraufnahme kann auf Verdauungsprobleme oder Erkrankungen hindeuten. Eine Küchenwaage ermöglicht präzises Monitoring und sollte wöchentlich zum Einsatz kommen.
Die Ernährung von Frettchen in Wohnungshaltung erfordert Hingabe, Wissen und die Bereitschaft, handelsübliche Lösungen kritisch zu hinterfragen. Diese bemerkenswerten Tiere verdienen Halter, die ihre carnivore Natur respektieren und durch durchdachte Ernährung die Grundlage für ein langes, gesundes Leben schaffen. Jede Mahlzeit ist eine Chance, Verantwortung in Fürsorge zu verwandeln – eine Verantwortung, die mit jedem verspielten Blick dieser faszinierenden Marder belohnt wird.
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