Warum du deinen Hund nie wieder vor der Autofahrt füttern solltest – das ändert alles

Wenn der geliebte Vierbeiner im Auto unruhig wird, zu hecheln beginnt und schließlich erbricht, bricht vielen Hundehaltern das Herz. Reisekrankheit bei Hunden ist verbreiteter als viele denken – Experten schätzen, dass etwa 15-20% aller Hunde unter Symptomen der Reiseübelkeit leiden. Doch die gute Nachricht: Mit gezielter Vorbereitung und durchdachten Strategien lässt sich das Wohlbefinden unserer Gefährten auf Reisen deutlich verbessern.

Der leere Magen als Schutzschild: Timing ist alles

Die wichtigste Regel für stressfreies Reisen mit Hund lautet: mindestens drei bis vier Stunden vor Abfahrt keine Hauptmahlzeit mehr füttern. Ein voller Magen verstärkt nicht nur die Übelkeit, sondern erhöht auch das Risiko für Erbrechen während der Fahrt erheblich. Der Verdauungstrakt arbeitet auf Hochtouren, während gleichzeitig das Gleichgewichtsorgan im Innenohr durch Bewegungsreize irritiert wird – eine fatale Kombination, die selbst den robustesten Vierbeiner aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Bei Welpen und jungen Hunden unter sechs Monaten ist allerdings Vorsicht geboten: Ihre Blutzuckerwerte können bei zu langen Fastenperioden gefährlich absinken. Hier empfiehlt sich eine sehr leichte, kleine Mahlzeit etwa zwei Stunden vor Reiseantritt. Ein paar Löffel gekochtes Hühnchen mit Reis reichen völlig aus, um den kleinen Magen zu beruhigen, ohne ihn zu belasten.

Ingwer: Die unterschätzte Wunderwaffe gegen Reiseübelkeit

Was in der Humanmedizin längst etabliert ist, wird auch bei unseren vierbeinigen Begleitern zunehmend eingesetzt: Ingwer besitzt antiemetische Eigenschaften, die Übelkeit und Erbrechen reduzieren können. Die Gingerole und Shogaole im Ingwer blockieren bestimmte Serotoninrezeptoren im Verdauungstrakt, die für Übelkeitsgefühle verantwortlich sind. Diese natürliche Alternative überzeugt immer mehr Tierhalter, die auf schonende Methoden setzen möchten.

Die Dosierung sollte etwa 10-25 mg frischer Ingwer pro Kilogramm Körpergewicht betragen. Für einen 20 kg schweren Hund entspricht dies ungefähr einem halben Teelöffel frisch geriebenem Ingwer, der etwa 30-60 Minuten vor Reiseantritt unter eine kleine Menge Futter oder in einen Naturjoghurt gemischt werden kann. Alternativ gibt es mittlerweile speziell für Hunde entwickelte Ingwer-Leckerlis, die präzise dosiert sind und von den meisten Vierbeinern gerne akzeptiert werden.

Vorsicht bei der Anwendung

Nicht jeder Hund verträgt Ingwer gleich gut. Bei Tieren mit bekannten Magenproblemen, Blutgerinnungsstörungen oder vor geplanten Operationen sollte auf Ingwer verzichtet werden. Eine vorherige Absprache mit dem Tierarzt ist empfehlenswert, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Leichte Kost statt schwerer Belastung

Falls eine Fütterung kurz vor der Reise unvermeidbar ist, sollte die Wahl auf besonders gut verdauliche Lebensmittel fallen. Gekochtes Hühnchen ohne Haut und Knochen, kombiniert mit weißem Reis oder Süßkartoffel, belastet den Magen-Darm-Trakt minimal. Diese Schonkost wird schnell verdaut und liegt nicht schwer im Magen – genau das, was ein reisenervöser Hund braucht.

Fettreiche Nahrung hingegen ist absolut tabu: Sie verweilt besonders lange im Verdauungstrakt und verstärkt Übelkeitssymptome dramatisch. Auch rohes Fleisch oder schwer verdauliche Kauartikel sollten am Reisetag gemieden werden. Die Devise lautet: weniger ist mehr, und leicht ist besser als schwer.

Hydration ohne Übertreibung

Wasser sollte bis etwa eine Stunde vor Abfahrt frei zugänglich sein. Während der Fahrt empfehlen sich kleine Wasserportionen alle 60-90 Minuten bei längeren Pausen. Zu große Wassermengen auf einmal belasten den Magen und können bei nervösen Hunden zu verstärktem Speichelfluss und Übelkeit führen – ein Teufelskreis, den es zu vermeiden gilt.

Ein bewährter Trick: Eiswürfel statt Wasser anbieten. Sie kühlen, spenden Flüssigkeit und beschäftigen den Hund gleichzeitig – allerdings nur für Tiere geeignet, die keine empfindlichen Zähne haben. Viele Hunde lieben es, die Würfel zu zerbeißen, und vergessen dabei fast die Fahrt.

Beruhigende Nährstoffe: L-Tryptophan und B-Vitamine

Stress und Angst verschlimmern Reisekrankheit erheblich. Die Aminosäure L-Tryptophan dient als Vorstufe für die Produktion von Serotonin, dem sogenannten Glückshormon, das beruhigend wirkt. Natürliche Quellen sind Pute, Thunfisch und Banane – wobei letztere nur in kleinen Mengen verfüttert werden sollte, da sie viel Fruchtzucker enthält.

B-Vitamine, insbesondere B6 und B12, spielen eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Nervensystems. Eine Supplementierung kann bei besonders ängstlichen Reisenden sinnvoll sein, sollte aber immer in Absprache mit einem Tierarzt erfolgen und bereits einige Tage vor der Reise begonnen werden, damit sich die Wirkung voll entfalten kann.

CBD-Öl: Kontrovers, aber vielversprechend

Cannabidiol (CBD) ohne psychoaktive THC-Komponente gewinnt in der Tiermedizin zunehmend an Bedeutung. Erste Untersuchungen zeigen vielversprechende Ergebnisse bei Angst- und Stressreduktion. Die anxiolytischen Eigenschaften können indirekt auch die Symptome der Reisekrankheit mildern, indem sie die emotionale Komponente der Übelkeit reduzieren – denn oft ist es die Angst selbst, die den Magen rebellieren lässt.

Die Dosierung ist individuell und sollte einige Tage vor der Reise getestet werden, um die optimale Menge für den jeweiligen Hund herauszufinden. Wichtig: Nur speziell für Hunde entwickelte CBD-Produkte verwenden, da diese garantiert THC-frei sind und keine unerwünschten Nebenwirkungen verursachen.

Probiotika für einen stabilen Magen-Darm-Trakt

Ein gesundes Mikrobiom ist widerstandsfähiger gegen Stress. Die Gabe von probiotischen Ergänzungsmitteln in den Tagen vor einer Reise kann die Darmflora stabilisieren und den Magen-Darm-Trakt auf die bevorstehende Belastung vorbereiten. Besonders wirksame Stämme für Hunde sind Enterococcus faecium und Lactobacillus acidophilus, die sich in zahlreichen Studien bewährt haben.

Natürliche Probiotika finden sich in kleinen Mengen Naturjoghurt ohne Zuckerzusatz oder in speziell fermentiertem Gemüse für Hunde. Diese sanfte Unterstützung des Verdauungssystems kann oft Wunder wirken, ohne dass zu Medikamenten gegriffen werden muss.

Kausnacks mit System gegen Langeweile

Langeweile verschlimmert Stress und damit auch Reiseübelkeit. Lange haltbare, aber nicht zu schwer verdauliche Kauartikel können Abhilfe schaffen. Getrocknete Rinderlunge oder spezielle Dentalsticks sind ideal – sie beschäftigen, ohne den Magen zu überlasten, und lenken die Aufmerksamkeit des Hundes von der Fahrt ab.

Kong-Spielzeuge, gefüllt mit eingefrorenem Magerquark oder Erdnussbutter ohne Xylit, bieten stundenlange Beschäftigung und kühlen zusätzlich. Die Konzentration auf die Aufgabe lenkt vom Reisestress ab und kann bei vielen Hunden wahre Wunder bewirken. Wichtig ist nur, dass die Snacks leicht verdaulich bleiben und in Maßen gegeben werden.

Akupressur nach Traditioneller Chinesischer Medizin

Der Akupressurpunkt Perikard 6, der sich auch bei Hunden etwa zwei Fingerbreit oberhalb des Handgelenks an der Innenseite des Vorderlaufs befindet, kann durch sanfte Massage Übelkeit reduzieren. Diese Methode stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und wird zunehmend auch in der westlichen Veterinärmedizin anerkannt. Mit kreisenden Bewegungen für etwa 30 Sekunden massiert, kann dieser Punkt beruhigend wirken und die Symptome der Reisekrankheit lindern – eine Technik, die jeder Hundehalter erlernen kann.

Langfristige Desensibilisierung durch positive Assoziation

Die wirksamste Strategie ist präventiv: Regelmäßige, kurze Autofahrten zu positiven Zielen – beispielsweise zum Park oder zur Lieblingsspielwiese – kombiniert mit hochwertigen Leckerlis können die Angst vor dem Fahren langfristig abbauen. Die klassische Konditionierung verbindet das Auto mit positiven Erlebnissen statt mit Stress und Tierarztbesuchen.

Hochwertige Trainingssnacks wie gefriergetrocknete Leber oder Hühnchenstückchen eignen sich hervorragend für diese Übungen. Sie sind intensiv im Geschmack, aber leicht verdaulich und motivieren selbst den skeptischsten Vierbeiner. Geduld ist hier der Schlüssel: Manche Hunde brauchen Wochen oder sogar Monate, bis sie entspannte Autofahrer werden.

Wenn nichts hilft: Medikamentöse Unterstützung

In schweren Fällen können verschreibungspflichtige Antiemetika wie Maropitant notwendig sein. Dieses Medikament blockiert spezifisch die Neurokinin-1-Rezeptoren, die für Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sind. Die Gabe erfolgt etwa zwei Stunden vor Reiseantritt auf nüchternen Magen und kann für viele Hunde den entscheidenden Unterschied zwischen einer qualvollen und einer erträglichen Reise ausmachen.

Die Entscheidung für medikamentöse Unterstützung sollte immer gemeinsam mit einem Tierarzt getroffen werden, der die individuelle Gesundheitssituation des Hundes kennt und bewerten kann. Manchmal ist der Einsatz von Medikamenten die tierfreundlichste Option – besonders bei langen Fahrten oder wenn alle anderen Methoden versagt haben.

Reisekrankheit bei Hunden ist kein unabwendbares Schicksal. Mit der richtigen Vorbereitung, gezielten Maßnahmen und liebevoller Geduld können die meisten Vierbeiner zu entspannten Reisebegleitern werden. Die Kombination aus Ernährungsanpassungen, natürlichen Hilfsmitteln und schrittweiser Gewöhnung zeigt in den allermeisten Fällen Erfolg. Jeder Hund verdient es, die Welt an unserer Seite zu entdecken – ohne Angst, Stress und Unwohlsein.

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