Dieser fatale Fehler macht aus jedem Besen einen Keimträger – kaum jemand bemerkt es rechtzeitig

Zwischen den letzten warmen Tagen und den ersten Frostnächten verändert sich jedes Haus still, aber grundlegend. Räume trocknen langsamer, Böden werden rutschig, und der Geruch von Feuchtigkeit schleicht in Flure und Garagen. Der Besen, der im Sommer zuverlässig Staub und Sand fernhält, wird im Herbst zum meistgenutzten, aber am wenigsten beachteten Werkzeug. Wenn sich nasse Blätter, Erde und Mikroorganismen am Bürstenkopf sammeln, beginnen Prozesse, die kaum jemand wahrnimmt und doch weitreichende Auswirkungen auf Hygiene, Material und Haltbarkeit haben.

Die Stadt Hannover weist in ihren Verkehrssicherheitsrichtlinien ausdrücklich darauf hin, dass nasse oder angefrorene Blätter auf Verkehrswegen eine erhebliche Gefahrenquelle darstellen, da sie die Griffigkeit von Oberflächen deutlich herabsetzen. Was auf Gehwegen gilt, betrifft auch Terrassen, Einfahrten und Hauseingänge und damit unweigerlich das Werkzeug, mit dem diese Flächen gereinigt werden. Der Besen wird zur Schnittstelle zwischen Außenwelt und Wohnraum, zwischen organischem Material und hygienisch sensiblen Bereichen.

Wie nasse Blätter und Feuchtigkeit den Besen unbrauchbar machen

Ein Besen, der regelmäßig mit feuchten Pflanzenresten in Kontakt kommt, ist keine harmlose Bürste mehr, sondern ein kleiner biologischer Inkubator. Die Fasern, ob aus Kunststoff, Naturborsten oder Mischgewebe, speichern Feuchtigkeit unterschiedlich stark. Naturborsten, etwa aus Kokos oder Arenga, absorbieren Wasser kapillar, eine mikroskopische Sogwirkung zieht Flüssigkeit tief zwischen die Fasern. Was folgt, ist ein idealer Lebensraum für Bakterien, Pilze und Hefen.

Kunststoffborsten hingegen trocknen schneller, aber ihre glatte Oberfläche neigt dazu, klebrigen Pflanzenschleim nicht richtig abzugeben. Bei Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad Celsius, also typisch für den Herbst, schaffen Feuchtigkeit und organische Reste optimale Voraussetzungen für mikrobielles Wachstum. Die VDI 6022 Leitlinie für raumlufttechnische Anlagen dokumentiert, dass hohe relative Luftfeuchtigkeiten über 80 Prozent an Komponenten zu Problemen durch mikrobielles Wachstum führen, insbesondere bei Außenlufttemperaturen über 0 Grad Celsius. Diese Prinzipien gelten analog für alle feuchten Oberflächen und Materialien, die organische Rückstände tragen, einschließlich Besenborsten.

Unter idealen Bedingungen können Mikroorganismen sich rasant vermehren. Studien zur Mikrobiologie belegen, dass durch Zellteilung innerhalb von fünf Stunden aus einem einzelnen Bakterium eine Million Keime entstehen können. Diese explosive Vermehrungsrate erklärt, warum ein einmal feucht gewordener und nicht korrekt getrockneter Besen innerhalb kurzer Zeit zum Keimträger werden kann. Anzeichen dieses Prozesses sind ein süßlich-muffiger Geruch, der auch nach dem Spülen anhält, verfilzte und verklebte Borsten, Verfärbungen im Übergangsbereich zwischen Kopf und Stiel sowie rutschende oder nachgebende Borsten beim Fegen.

Ab diesem Punkt verliert der Besen nicht nur seine Reinigungswirkung, sondern verteilt beim nächsten Einsatz mikrobiellen Film auf Böden und Terrassen. Wer dann drinnen mit demselben Werkzeug arbeitet, trägt Sporen und Biofilm unbemerkt bis in Küche oder Vorratsräume. Die Übertragungskette zwischen Außen- und Innenbereich wird so zu einem unterschätzten Hygieneproblem, das sich schleichend im gesamten Haushalt ausbreiten kann.

Warum einfache Reinigung mit Wasser nicht ausreicht

Viele spülen den Besenkopf kurz ab, schlagen ihn aus und stellen ihn in die Ecke, eine Routine, die mehr schadet als nützt. Das Problem liegt im Mix aus organischen Rückständen und unvollständiger Trocknung. Nasses Laub enthält Lignin und Zellulose, zwei schwer abbaubare Pflanzenbestandteile, die an den Borsten haften und dort als Nährsubstrat dienen. Lauwarmes Leitungswasser löst diese Stoffe kaum, außerdem bleibt zwischen den Borsten ein dünner Feuchtigkeitsfilm zurück, der den Trocknungsprozess verlängert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung betont in seinen Leitlinien zur Lebensmittelhygiene, dass Reinigung erforderlich ist, um Nahrungsmittelreste zu entfernen, in denen sich Mikroorganismen vermehren können, und dass die Desinfektion ein zusätzlicher, eigenständiger Schritt ist. Diese Grundprinzipien, die für Küchengeräte gelten, sind ebenso auf Reinigungswerkzeuge wie Besen anwendbar. Gründliches Säubern mit sauberen Schwämmen und anschließende vollständige Trocknung sind entscheidend, um Keime effektiv zu reduzieren.

Die wirksamste Reinigung basiert daher auf drei Prinzipien, die auch in HACCP-Konzepten für professionelle Hygiene verankert sind: mechanische Ablösung, um Laubrückstände vollständig zu entfernen, thermische oder chemische Desinfektion, um Sporen und Bakterien abzutöten, sowie vollständige Trocknung in luftzirkulierter Umgebung, um Rückbesiedlung zu verhindern. Ein einfaches Schrubben oder Abbrausen erfüllt nur den ersten Punkt. Wer den Besen länger als eine Saison nutzen will, braucht einen systematischeren Ansatz, der alle drei Schritte konsequent berücksichtigt und in die regelmäßige Pflegeroutine integriert.

Effektive Methode zur gründlichen Reinigung eines Herbstbesens

Ein professionell gepflegter Besen überlebt mehrere Jahre und behält dabei seine ursprüngliche Steifigkeit. Der Unterschied liegt in der Methode, nicht im Preis. Für die Grobreinigung den Besen zunächst trocken ausschlagen, um lose Rückstände zu entfernen. Danach eine weiche Bürste oder alte Zahnbürste verwenden, um festsitzende Blätter und Erde aus dem Bürstenkern zu lösen. Dieser mechanische Schritt ist unverzichtbar, da er die Biofilmbildung bereits im Ansatz unterbricht.

Für die Vorwäsche einen Eimer mit warmem, nicht heißem Wasser und einem Spritzer mildem Geschirrspülmittel vorbereiten. Den Besenkopf eintauchen und mit leichtem Druck gegeneinander reiben, um mechanische Reibung zu erzeugen. Diese Vorwäsche löst wasserlösliche Verschmutzungen und organische Reste, die sich oberflächlich angesammelt haben. Bei der Desinfektion kann eine Lösung aus 70-prozentigem Alkohol oder einer verdünnten Wasser-Essig-Mischung im Verhältnis eins zu eins zur Keimreduktion beitragen. Den Kopf kurz eintauchen oder besprühen, dann zehn Minuten einwirken lassen.

Anschließend mit klarem, kaltem Wasser abspülen, bis keine Seifenreste mehr sichtbar sind. Dieser Schritt verhindert, dass Reinigungsmittelrückstände beim nächsten Einsatz wieder Feuchtigkeit anziehen oder klebrige Filme bilden. Beim Trocknen den Besen kopfüber aufhängen oder waagerecht legen, ohne dass die Borsten aufliegen. Idealer Ort ist ein gut belüfteter Raum bei Raumtemperatur. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden, sie kann Kunststoff spröde werden lassen und Naturborsten brüchig machen. Die vollständige Trocknung ist der kritischste Schritt, da nur in trockenem Zustand die Rückbesiedlung durch Mikroorganismen zuverlässig verhindert wird.

Der richtige Lagerort im Herbst und Winter

Nach der Reinigung beginnt die eigentliche Erhaltungspflege. Fehler bei der Lagerung wirken sich deutlicher aus als bei der Reinigung selbst. Ein Besen, der in der Garage auf dem Boden steht, nimmt jeden Anstieg der Luftfeuchtigkeit direkt auf. Betonflächen sind im Spätherbst oft deutlich kälter als die umgebende Luft, wodurch sich Kondenswasser bildet, unsichtbar, aber stetig.

Die VDI 6022 Leitlinie dokumentiert, dass bereits moderate Feuchtigkeitswerte in geschlossenen Räumen bei niedrigen Temperaturen zu Kondensationsprozessen führen, die mikrobielles Wachstum fördern. Auch wenn spezifische Schwellenwerte für Besenborsten in der Fachliteratur nicht explizit genannt werden, zeigen allgemeine bauphysikalische Erkenntnisse, dass relative Luftfeuchtigkeiten über 70 Prozent bereits ausreichen können, um in porösen oder faserigen Materialien Feuchtigkeit zu binden. Selbst bei nur leicht erhöhten Werten können die Borsten innerhalb kurzer Zeit Wasser aufnehmen und sich verformen.

Besser ist die hängende Aufbewahrung an einem Haken, idealerweise mit mindestens fünf Zentimetern Abstand zur Wand. Wenn möglich, sollten mehrere Besen nicht direkt nebeneinander hängen, Luftzirkulation zwischen den Köpfen verhindert Schimmelbildung. Wer über wenig Platz verfügt, kann eine einfache Halterung mit rostfreien Haken oder magnetischen Clips anbringen. Kunststoff- oder Metallstiele sollten niemals in feuchte Eimer gestellt werden, das Wasser steigt kapillar bis in den Befestigungsbereich und löst dort mit der Zeit Kleber oder Schrauben.

Materialunterschiede bei Besen

Nicht jeder Besen reagiert gleich auf Feuchtigkeit. Die Wahl des richtigen Materials kann den Wartungsaufwand drastisch reduzieren. Kokosborsten sind robust und naturbasiert, nehmen Feuchtigkeit aber aufgrund ihrer pflanzlichen Struktur leicht auf. Ideal für trockene Flächen, bei feuchtem Laub nur eingeschränkt geeignet, da sie länger zum Trocknen benötigen. Elaston- oder PVC-Borsten trocknen schnell und verformen sich kaum, verlieren jedoch durch UV-Strahlung über Jahre an Elastizität. Ihre wasserabweisende Oberfläche macht sie zur ersten Wahl für Außenbereiche mit regelmäßiger Feuchtigkeit.

Mischborsten kombinieren Steifigkeit und Wasserresistenz, sind aber schwerer vollständig zu reinigen und sollten regelmäßig desinfiziert werden, da sich in den Zwischenräumen organische Reste festsetzen können. Besenköpfe mit austauschbaren Einsätzen bieten den besten Kompromiss: Statt eines Neukaufs genügt ein Ersatz des Bürstenteils am Ende der Saison, was sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll ist. Wer vor allem nasses Laub kehren muss, fährt mit mittelharten Kunststoffborsten und einem wasserfesten Aluminium- oder Fiberglasstiel am besten.

Die unterschätzte Auswirkung auf Raumhygiene

Ein vernachlässigter Besen ist mehr als nur ein ästhetisches Problem. Studien zur Innenraumhygiene zeigen, dass Haushaltsgeräte, die feucht gelagert werden, zum Keimreservoir werden können, vergleichbar mit schlecht gereinigten Mops oder Wischlappen. Besonders kritisch ist die potenzielle Ansiedlung von Schimmelpilzsporen wie Aspergillus, die sich bevorzugt auf feuchten organischen Resten etablieren.

Die VDI 6022 und die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 519 dokumentieren, dass feuchte Oberflächen mit organischem Material ideale Bedingungen für Schimmelbildung schaffen und dass von solchen Flächen freigesetzte Sporen und Faserstäube gesundheitliche Risiken darstellen können. Obwohl spezifische Studien zur Aspergillus-Kontamination durch Haushaltsbesenköpfe in der verfügbaren Fachliteratur nicht vorliegen, ist die grundlegende Kausalkette, Feuchtigkeit plus organische Reste führen zu Schimmelpilzwachstum, wissenschaftlich gut belegt.

Gelangen solche Sporen durch den Besen auf Innenflächen, verteilen sie sich mit jedem Fegen als Mikropartikel in der Luft. Für empfindliche Personen kann das langfristig Allergien oder Atemwegsreizungen verursachen. Das Risiko steigt, wenn derselbe Besen sowohl im feuchten Außenbereich als auch in Wohnräumen verwendet wird, ohne dass eine gründliche Zwischenreinigung erfolgt. Daher ist es sinnvoll, den Besen, der im Außenbereich zum Einsatz kommt, klar von jenem zu trennen, der im Innenraum genutzt wird.

Wann ein Besen ausgetauscht werden sollte

Auch die sorgfältigste Pflege hat Grenzen. Ein Blick auf den Borstenansatz zeigt, wann Ersatz die bessere Option ist:

  • Die Borsten spreizen sich dauerhaft und kehren nach 24 Stunden nicht mehr in Form zurück, was auf irreversible Materialermüdung hinweist
  • Der Bürstenkopf weist Risse auf oder wackelt beim Fegen, wodurch die Stabilität und Reinigungsleistung beeinträchtigt werden
  • Verfärbungen deuten auf Schimmel- oder Oxidationsprozesse hin, die sich auch durch intensive Reinigung nicht mehr vollständig beseitigen lassen
  • Der Besen riecht selbst nach Desinfektion unangenehm, was auf tiefsitzende mikrobielle Besiedlung oder chemische Zersetzung des Materials hindeutet

Im Durchschnitt sollte ein intensiv genutzter Außenbesen alle zwei bis drei Jahre ersetzt werden. Wer jedoch konsequent reinigt, desinfiziert und richtig lagert, kann diese Lebensdauer fast verdoppeln. Angesichts des niedrigen Anschaffungspreises mag das marginal erscheinen, doch jedes Jahr ersparte Neuanschaffung bedeutet weniger Kunststoff- und Materialabfall, ein unterschätzter Beitrag zur nachhaltigen Haushaltsführung. Wer zudem auf Modelle mit austauschbaren Bürstenköpfen setzt, reduziert den Abfall zusätzlich, da nur der verschlissene Teil erneuert werden muss, während Stiel und Halterung über viele Jahre hinweg genutzt werden können.

Wenn der Besen in den Winterschlaf geht

Sobald der erste Frost einsetzt, ist der richtige Zeitpunkt, den Besen einzuwintern. Ein trockener, sauberer Zustand ist Pflicht, bevor er für mehrere Monate ungenutzt bleibt. Wer ausreichend Platz hat, sollte ihn horizontal lagern, leicht geneigt, sodass keine Restfeuchtigkeit in den Kopf laufen kann. Feuchtigkeit, die in dieser Phase eindringt und wieder gefriert, erzeugt mikroskopische Risse im Kunststoff und zerstört die Klebebindung moderner Besen dauerhaft.

Der Lagerort sollte konstant temperiert sein, also nicht direkt neben dem Garagentor oder unter einem unbeheizten Vordach. Selbst ein Gartenschrank reicht aus, solange er regengeschützt und belüftet ist. Wer den Besen vorher in Papier, nicht Kunststoff, einschlägt, vermeidet Staubablagerung, ohne die Luftzirkulation zu behindern. Kunststofffolien würden die Verdunstung blockieren und Kondensation im Inneren begünstigen, genau das Gegenteil dessen, was angestrebt wird.

Ein einfacher Trick: Ein kleiner Beutel mit Silikagel oder trockenem Reis in der Nähe des Bürstenkopfs bindet Restfeuchtigkeit und schützt zuverlässig vor Schimmelbildung über den Winter. Diese passive Feuchtigkeitskontrolle ist kostengünstig, wartungsfrei und hochwirksam. Sobald im Frühjahr die ersten wärmeren Tage kommen, kann der Besen einfach ausgepackt, kurz gelüftet und sofort wieder eingesetzt werden, ohne dass Reinigungsaufwand oder Materialschäden zu befürchten sind.

Warum diese Pflege mehr bringt als nur einen sauberen Boden

Am Ende geht es nicht nur um Sauberkeit, sondern um einen bewussteren Umgang mit Werkzeugen. Der Besen ist eines der ältesten Haushaltsgeräte überhaupt, simpel, wartungsarm, universell. Doch gerade diese Einfachheit verleitet zur Nachlässigkeit. Wer versteht, wie stark Material, Feuchtigkeit und Mikroorganismen miteinander interagieren, kann mit minimalem Aufwand ein sauberes, langlebiges und hygienisches Arbeitsumfeld bewahren.

Die wissenschaftlichen Grundlagen, die in Leitlinien wie der VDI 6022, in HACCP-Konzepten der Lebensmittelsicherheit und in den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung dokumentiert sind, gelten nicht nur für industrielle oder gastronomische Bereiche. Sie lassen sich direkt auf den privaten Haushalt übertragen und bieten dort dieselben Vorteile: weniger Keimbelastung, längere Nutzungsdauer, bessere Materialerhaltung und letztlich auch geringere Kosten.

Langfristig entsteht daraus ein stiller, aber realer Vorteil: Routinearbeiten werden effizienter, das Umfeld gesünder und der eigene Haushalt nachhaltiger. Ein trockener, gepflegter Besen mag unscheinbar wirken, doch er trägt mehr zur häuslichen Stabilität bei, als man ihm zutraut. Er steht stellvertretend für einen Ansatz, der kleine, konsequente Maßnahmen über spektakuläre Eingriffe stellt und damit langfristig mehr bewirkt. Die Herbstmonate, in denen nasse Blätter und Feuchtigkeit zur Herausforderung werden, sind zugleich die beste Gelegenheit, diese Prinzipien in die Praxis umzusetzen.

Wie oft reinigst du deinen Besen nach nassem Laub?
Nach jedem Einsatz gründlich
Nur schnell abspülen
Einmal pro Monat maximal
Nie gemacht ehrlich gesagt
Habe mehrere Besen dafür

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