47 Prozent der Deutschen fallen darauf herein: Der versteckte Preis hinter den gelben Rabatt-Schildern

Wer kennt das nicht: Man betritt den Supermarkt mit einer klaren Einkaufsliste, doch plötzlich landen drei Gläser Marmelade im Einkaufswagen – natürlich aus dem Sonderangebot. Was wie ein cleverer Schnäppchenkauf erscheint, ist oft das Ergebnis ausgeklügelter Marketingstrategien, die gezielt darauf ausgelegt sind, unser Kaufverhalten zu beeinflussen. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich viele dieser verlockenden Angebote als weniger vorteilhaft, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

Die Psychologie hinter der Zweitplatzierung

Marmeladengläser, die scheinbar zufällig am Kassenbereich, am Regalende oder auf separaten Aktionstischen platziert sind, landen dort keineswegs durch Zufall. Diese sogenannten Zweitplatzierungen gehören zu den effektivsten Werkzeugen im Einzelhandel. Sie steigern die Sichtbarkeit von Produkten erheblich und fördern Impulskäufe durch strategische Platzierung in hochfrequentierten Bereichen. Stark frequentierte Zonen wie Eingangsbereiche und Kassenbereiche gelten als besonders wirkungsvoll für diese Marketingstrategie.

Die Zweitplatzierungen suggerieren Dringlichkeit und Exklusivität: „Dieses Angebot gibt es nur hier und nur jetzt!“ Die Realität sieht anders aus – häufig befinden sich genau dieselben Produkte zum regulären Preis im Marmeladenregal, nur wenige Meter entfernt. Der niedrige Preis wirkt wie ein Lockvogel, der von einem gründlichen Vergleich mit anderen Produkten im Sortiment ablenkt.

Wenn Rabatte keine echte Ersparnis bedeuten

Ein großer gelber Aufkleber verspricht „30% reduziert“ – doch Vorsicht ist geboten. Studien zur Preiswahrnehmung zeigen, dass 38 Prozent der Konsumenten sich zu Impulskäufen verleiten lassen, wenn sie Produkte im Angebot sehen, die nicht auf ihrer Einkaufsliste stehen. Dabei vergleichen viele den beworbenen Aktionspreis nicht mit dem tatsächlichen Normalpreis anderer Produkte im Regal. Stattdessen verlassen sie sich auf die suggerierte Ersparnis.

Ein weiterer Kniff: Die Reduzierung bezieht sich auf eine zeitlich sehr begrenzte unverbindliche Preisempfehlung, die im Handel ohnehin kaum jemand verlangt hat. Das Ergebnis? Der „Sonderpreis“ entspricht dem marktüblichen Niveau – oder liegt sogar darüber, wenn man Eigenmarken oder Produkte mit vergleichbarer Qualität zum Vergleich heranzieht.

Die Bedeutung von Sonderangeboten im Einzelhandel ist deutlich gestiegen. Der Anteil der Sonderangebote am Umsatz mit Konsumgütern in Deutschland ist zwischen 2020 und 2024 um 44 Prozent gewachsen. Mittlerweile entfällt knapp ein Viertel der Erlöse auf Rabattaktionen, bei Markenprodukten sogar fast ein Drittel. Diese Entwicklung setzt sich fort und prägt zunehmend das Einkaufsverhalten.

Der Fruchtanteil als verstecktes Qualitätsmerkmal

Bei Marmeladen und Konfitüren ist der Fruchtanteil ein entscheidender Qualitätsindikator, der jedoch in der bunten Welt der Sonderangebote gerne in den Hintergrund rückt. Während hochwertige Produkte mit Fruchtzubereitungen von 60 bis 70 Prozent arbeiten, enthalten viele Gläser lediglich den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanteil. Der Rest? Zucker, Geliermittel, Säuerungsmittel und Aromastoffe, die den fehlenden Geschmack kompensieren sollen.

Die Zutatenliste verrät die Wahrheit, doch wer liest schon das Kleingedruckte, wenn ein verlockendes „3 für 2“-Angebot winkt? Die farbenfrohen Etiketten mit appetitlichen Fruchtabbildungen erwecken den Eindruck von Natürlichkeit und Qualität, während die tatsächliche Zusammensetzung eine ganz andere Sprache spricht.

Mengenrabatte: Mehr ist nicht immer besser

Die Aufforderung „Kaufe 3, zahle 2“ oder „20 Prozent beim Kauf von 5 Gläsern“ spielt geschickt mit unserem Belohnungssystem. Unser Gehirn signalisiert: Das ist ein Schnäppchen, das darf ich nicht verpassen! Doch Hand aufs Herz – benötigt ein durchschnittlicher Haushalt wirklich fünf Gläser Marmelade auf einmal?

Diese Mengenrabatte führen zu mehreren Problemen: Erstens kaufen Verbraucher mehr, als sie tatsächlich benötigen. Zweitens wird durch die größere Vorratshaltung verhindert, dass man beim nächsten Einkauf möglicherweise zu einem qualitativ hochwertigeren Produkt greift. Drittens landen geöffnete Gläser, die nicht rechtzeitig verbraucht werden, früher oder später im Müll – von der Ersparnis bleibt dann nichts übrig.

Eine konsequente Sonderangebotspolitik kann einen schwierig zu kalkulierenden Gewöhnungseffekt mit sich bringen, der auch wenig preissensible Kundengruppen erfassen kann. Dies führt dazu, dass Verbraucher zunehmend darauf konditioniert werden, nur noch bei Aktionen zuzugreifen.

Die Tücken der Familienpackungen

Ein verwandtes Phänomen sind übergroße Gläser, die als besonders wirtschaftlich beworben werden. Der Grundpreis pro 100 Gramm erscheint attraktiv, doch auch hier lohnt der kritische Blick. Nicht selten unterscheidet sich die Rezeptur größerer Gebinde von den kleineren Varianten – mit höherem Zuckeranteil und geringerem Fruchtgehalt, um die Haltbarkeit zu optimieren und die Produktionskosten zu senken.

Versteckte Qualitätsunterschiede erkennen

Zwischen verschiedenen Produktkategorien gibt es erhebliche Unterschiede, die sich nicht unmittelbar im Preis widerspiegeln. Die gesetzlichen Bestimmungen unterscheiden zwischen Konfitüre extra, Konfitüre und Fruchtaufstrich – Begriffe, die unterschiedliche Mindestfruchtanteile bedeuten. Während Konfitüre extra mindestens 45 Prozent Frucht enthalten muss, kann ein Fruchtaufstrich theoretisch mit deutlich geringeren Anteilen auskommen.

Die günstige Preisgestaltung ist dann keine Großzügigkeit des Händlers, sondern schlicht eine Anpassung an den tatsächlichen Warenwert. Der Verbraucher zahlt letztlich für Zucker und Zusatzstoffe, während der Fruchtanteil minimal bleibt. Neben dem Fruchtanteil lohnt der Blick auf den Zuckergehalt pro 100 Gramm. Hochwertige Konfitüren kommen mit weniger zugesetztem Zucker aus, da der natürliche Fruchtzucker bereits Süße liefert.

Strategien für bewussten Einkauf

Um nicht in die Marketingfallen zu tappen, hilft eine strukturierte Herangehensweise. Der Blick auf die Zutatenliste sollte zur Gewohnheit werden: Je weiter vorne eine Zutat steht, desto höher ist ihr Anteil im Produkt. Steht Zucker an erster oder zweiter Stelle, ist Vorsicht geboten.

Knapp die Hälfte der Deutschen – genau 47 Prozent – gibt an, beim Einkaufen immer die günstigste verfügbare Option zu wählen. Dies zeigt, dass ein beträchtlicher Teil der Verbraucher durchaus preisbewusst agiert. Der Vergleich der Grundpreise – also des Preises pro 100 Gramm – gibt Aufschluss über die tatsächliche Wirtschaftlichkeit. Dieser findet sich auf dem Preisschild am Regal und ermöglicht einen objektiven Vergleich jenseits der bunten Aktionsaufkleber.

Transparenz spielt beim Einkauf eine wichtige Rolle: 53 Prozent der Verbraucher wollen bei Angeboten immer genau wissen, wie viel Geld sie letztlich sparen. Händler, die diese Informationen klar und verständlich bereitstellen, schaffen Vertrauen und ermöglichen fundierte Kaufentscheidungen. Auch die Herkunft der Früchte kann ein Qualitätsmerkmal sein. Während diese Information nicht verpflichtend angegeben werden muss, weisen manche Hersteller freiwillig darauf hin – ein Zeichen für Transparenz.

Die Macht der Verbraucherentscheidung

Eine bewusste Kaufentscheidung basiert auf Informationen, nicht auf Impulsen. Wer sich die Zeit nimmt, Etiketten zu lesen und Preise zu vergleichen, zahlt am Ende nicht nur einen fairen Preis, sondern erhält auch ein Produkt, das den eigenen Qualitätsansprüchen entspricht.

Die Versuchung ist groß, dem vermeintlichen Schnäppchen zu erliegen. Doch ein kritischer Blick hinter die Kulissen der Marketingtricks offenbart, dass wahre Qualität nicht zwingend durch große Rabatte gekennzeichnet ist. Stattdessen lohnt es sich, auf Produkte zu setzen, die durch ihre Zusammensetzung überzeugen – auch wenn diese nicht mit spektakulären Aktionspreisen locken.

Ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln bedeutet auch, Marketingbotschaften zu hinterfragen und eigene Prioritäten zu setzen. Die vermeintliche Ersparnis beim Großeinkauf von Aktionsware verpufft schnell, wenn Qualität und Geschmack nicht überzeugen oder Produkte verderben, bevor sie verbraucht werden können. Wer die Mechanismen durchschaut und gezielt vergleicht, trifft bessere Entscheidungen und erhält mehr Wert für sein Geld.

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